Bipolare Störung: Behandlung und Hilfe

Leben zwischen zwei extremen Gefühlswelten

Die Behandlung einer bipolaren Störung ist ein wichtiger Bestandteil im Leben zwischen zwei Extremen. Stimmungsschwankungen hat jeder Mensch mal. Betroffene dieser Störung (oft auch manisch-depressive Erkrankung genannt) fallen jedoch häufig von einem Extrem ins nächste – von himmelhoch jauchzend zu extrem niedergeschlagen. Oft ohne jeden erkennbaren Grund.

Ist eine bipolare Störung heilbar? Kaum. In der Regel kann eine bipolare Störung nicht geheilt, aber mit der richtigen Therapie gut stabilisiert werden. Dazu muss sie aber erkannt und behandelt werden. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Denn häufig haben Betroffene eine eher geringe Krankheitseinsicht, weshalb bei bipolarer Störung die Behandlung oft erst spät begonnen wird. 

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Bipolare Störung behandeln: Wenn die Gefühlswelt aus dem Gleichgewicht ist

Menschen mit bipolarer Störung leben praktisch zwischen zwei extremen Gefühlswelten. Sie schwanken von himmelhoch jauchzend und super aufgedreht oft völlig unerwartet zu extrem niedergeschlagen. Um diese Stimmungsschwankungen – sogenannte Episoden – ins Gleichgewicht zu bringen und die extremen Stimmungen etwas abfangen zu können, ist es wichtig, zeitnah eine Behandlung der bipolaren Störung zu beginnen.

Da sich die Betroffenen oft aber gar nicht als krank empfinden, sehen sie sehr oft nicht die Notwendigkeit einer Therapie ihrer bipolaren Störung.  

Sollten sich Betroffene in eine spezielle Klinik für bipolare Störung begeben? Nicht unbedingt. Oft ist ein klinischer Aufenthalt nur schweren Fällen notwendig. In der Regel ist die ambulante Behandlung einer bipolaren Störung sehr erfolgreich, wenn die Betroffenen sich dazu durchringen und konsequent mitarbeiten können. 

Unterschiede in der Behandlung einer bipolaren Störung

Die Ziele der Behandlung einer bipolaren Störung richten sich nach der jeweiligen Phase, in der sich die Betroffenen befinden. So ist die Akuttherapie beispielsweise darauf ausgerichtet, die Patienten und Patientinnen in akuten Krankheitsphasen zu unterstützen. Sie wird so lange beibehalten, wie sich die akuten Symptome der bipolaren Störung zeigen. 

Im Anschluss daran wird in der Regel eine Erhaltungs-Therapie durchgeführt, damit der Zustand der Betroffenen stabilisiert wird. Sie besteht meist aus einer Kombination aus Psychotherapie und ergänzender medikamentöser Behandlung. Hat sich die Stimmungslage wieder normalisiert, folgt eine Rückfall-Prophylaxe, ebenfalls mit medikamentöser Behandlung. Die Dauer hängt hierbei von der Anzahl der Phasen ab. 

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Behandlung bipolare Störung: Mit KIRINUS raus aus dem Gefühlschaos

Um eine erfolgreiche Behandlung zu erzielen, ist es wichtig, dass die Betroffenen mitarbeiten. Darum wird die Therapie einer bipolaren Störung bei uns auch immer gemeinsam und transparent zwischen unseren Ärzteteams, Psychiatern, Psychotherapeuten und Ihnen als Patient oder Patientin abgestimmt. 

Bevor die Therapie richtig beginnt, besprechen unsere Ärzte, Psychiater oder Psychotherapeuten jeden Schritt und alle möglichen und notwendigen Optionen mit Ihnen. Uns ist wichtig, dass die Behandlung individuell auf Ihr persönliches Krankheitsbild angepasst wird, denn nur so können wir Ihnen optimal helfen, Ihr Leben wieder ins Gleichgewicht zu bringen. 

Im Rahmen der Psychotherapie können verschiedene Methoden zur Anwendung kommen. Dazu zählen beispielsweise: 

  • Kognitive Verhaltenstherapie

    Die kognitive Verhaltenstherapie ist darauf ausgelegt, konkreten, aktuellen Problemen auf den Grund zu gehen und gemeinsam mit den Betroffenen eine Lösung für sie zu erarbeiten. Der Fokus liegt hierbei auf der Gegenwart und weniger auf der Vergangenheit, wie es beispielsweise bei der Psychoanalyse der Fall ist. Ziel ist es, den Betroffenen im Hier und Jetzt zu helfen, den Alltag besser zu meistern.

  • Tiefenpsychologische Psychotherapie

    Die tiefenpsychologische Psychotherapie wurde aus der Psychoanalyse heraus weiterentwickelt. Im Rahmen dieses Verfahrens versuchen die Therapeuten mit den Betroffenen gemeinsam, Konflikte aus der Vergangenheit aufzuarbeiten, die zu aktuellen seelischen Problemen führen. 

  • Psychoedukation

    Im Rahmen der Psychoedukation lernen Patienten und ihre Angehörigen mehr über die Störung sowie die möglichen Therapie- und Behandlungsmaßnahmen. Außerdem erhalten sie in den Gesprächen viele effektive Tipps zur Selbsthilfe und zur Unterstützung ihrer Angehörigen.

Eine bipolare Störung ist eine chronisch verlaufende, psychische Erkrankung. Charakteristisch sind die wechselnden Episoden aus gesteigertem Antrieb (sogenannte manische Episoden) und starken depressiven Phasen.

Ambulante Hilfe bei bipolarer Störung

Sie suchen eine umfassende und persönliche Behandlung bei bipolarer Störung für sich oder Ihre Angehörigen? Wir bieten Ihnen in unseren KIRINUS Behandlungszentren effektive, ambulante Therapiemöglichkeiten in angenehmer und herzlicher Atmosphäre.

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Definition und Diagnose

Was ist eine bipolare Störung?

Eine bipolare affektive Störung (meist nur bipolare Störung oder manisch-depressive Erkrankung / Störung genannt) ist eine chronisch verlaufende, psychische Erkrankung. Betroffene erleben wechselnde Episoden aus gesteigertem Antrieb - sogenannten manische Episoden - und starken depressiven Phasen. Sie fallen praktisch von einem Extrem ins nächste, ein ständiges Auf und Ab. Diese Schwankungen treten in episodischer Form auf und sind unabhängig von der augenblicklichen Lebenssituation der Betroffenen. 

In der Regel tritt die Störung um das 18. Lebensjahr herum zum ersten Mal in Erscheinung. Oft wird sie jedoch in der Anfangsphase nicht erkannt. Das geschieht meist viel später. Die Ursachen für eine bipolare Störung sind noch nicht vollständig geklärt. Eine genetische Veranlagung und eine Störung im Gleichgewicht der Neurotransmitter sind ebenso wahrscheinlich wie äußere Einflüsse, die auch den weiteren Verlauf beeinflussen können. 

Um für die bipolare Störung eine Diagnose stellen zu können, müssen mindestens zwei affektive Episoden vorliegen, von denen mindestens eine hypomanisch, manisch oder gemischt sein muss. Als Hypomanie bezeichnet man die abgeschwächte Form der Manie. In dieser ist der gesteigerte Antrieb nicht so extrem ausgeprägt wie in der manischen Phase. Die Einteilung der Störung erfolgt nach dem DSM (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) in unterschiedliche Verlaufsmodelle: dem Typ 1, Typ 2 und dem Rapid Cycling.

Verlaufsformen

Unterschiedliche Typen der bipolaren Störung

Welche Behandlungsstrategie die richtige ist, hängt davon ab, welche Verlaufsform bei den betroffenen Personen vorliegt. Erst, wenn diese bekannt ist, kann eine geeignete Medikation eingesetzt werden. Prinzipiell wird bei der bipolaren Störung in unterschiedliche Verlaufsmodelle unterteilt: 

Bipolare Störung Typ 1 

In dieser Verlaufsform treten sowohl depressive als auch manische Episoden auf. Während die manische Episode meist mindestens 7 Tage andauert, liegt die Dauer der depressiven Episoden häufig bei mindestens 14 Tagen. Diese Form der Störung tritt schätzungsweise bei 1 bis 2 % der Bevölkerung auf. 

Bipolare Störung Typ 2 

Bei der Typ-2-Form stehen die depressiven Episoden im Fokus, ergänzt von mindestens einer hypomanischen Phase von mindestens 4 Tagen. Diese Form der Störung tritt recht häufig auf: Sie betrifft ca. 2 bis 4 % der Bevölkerung. 

Rapid Cycling 

Diese Form liegt vor, wenn mindestens vier oder mehr manische, hypomanische oder depressive Episoden innerhalb von 12 Monaten auftreten. Die hohe Frequenz des Rapid Cycling entwickelt sich oft erst im späteren Verlauf der Störung, allerdings können sich bei dieser Form die Probleme auch auf die episodenfreien Intervalle auswirken. Ca. 15 bis 20 Prozent der Betroffenen mit einer bipolaren Störung leiden an dieser Verlaufsform, wobei Frauen häufiger davon betroffen sind als Männer. 

Krankheitsbild und Anzeichen

Bipolare Störung: Symptome und Verlauf

Die Störung verläuft in manischen und depressiven Episoden, wobei eines von beidem im Vordergrund stehen kann. Die Anzeichen für eine bipolare Störung sind je nach Episode unterschiedlich. 

Merkmale von manischen Episoden

In den manischen Episoden fühlen sich Betroffene meist voller Energie, können aber auch schnell gereizt sein. Sie schlafen deutlich weniger, ohne dass sich der Schlafmangel auf die Energie auswirkt.

Viele Patienten mit dieser psychischen Störung können reden wie ein Wasserfall. Häufig sind sie auch unkonzentriert, können sich schlecht fokussieren und springen von einem Gedanken zum anderen. Nicht wenige Betroffene überschätzen sich auch selbst sehr stark. Das kann in manchen Fällen auch in Richtung Größenwahn tendieren.

Prinzipiell sind fast sämtliche Bereiche des täglichen Lebens in einer manischen Episode übersteigert: Vom gesellschaftlichen Leben über die Kommunikation bis hin zum Geldausgeben. 

Merkmale von depressiven Episoden

Im Gegensatz zur manischen Episode sind betroffene Patienten in einer depressiven Episode eher antriebslos, lustlos und energielos. Sie können sich zu nichts mehr aufraffen und fühlen sich häufig wertlos und unfähig für alle möglichen Dinge. Oft assoziieren Außenstehende depressive Episoden mit Traurigkeit, doch das muss nicht immer der Fall sein. Häufig fühlen Betroffene einfach gar nichts mehr. 

In einer depressiven Episode interessieren sich die betroffenen Personen für nichts mehr. Das Denken und die Motorik können unter Umständen ebenso verlangsamt wirken, wie auch die Sprache. Konzentration und Aufmerksamkeit lassen spürbar nach und die Betroffenen ziehen sich meist vollständig zurück. 

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Bipolare Störung: Beziehung und Partnerschaft

Sind Betroffene mit bipolarer Störung beziehungsunfähig?

Eine Beziehung zu führen, in der mindestens ein Partner an einer bipolaren Störung leidet, ist nicht einfach. Je nachdem, wie häufig und intensiv die einzelnen Episoden und Stimmungsschwankungen auftreten, können sie die Beziehung stark belasten. 

Bei bipolarer Störung ist Sexualität häufig ein Thema, das zu Streitigkeiten in der Partnerschaft führen kann. Während der manischen Episoden ist die Libido oft stark ausgeprägt und dafür die sozialen Hemmungen enorm heruntergefahren - da passiert es nicht selten, dass die betroffenen Personen fremdgehen. 

Auch das soziale Miteinander in der Partnerschaft kann unter der Störung leiden, wenn die betroffenen Personen in den manischen Episoden Aussagen treffen, die in ihren Augen wahr sind, ihr Gegenüber aber hart treffen und verletzen können. Auch die Wechsel zu depressiven Episoden sind für die Partnerinnen und Partner nicht einfach. Sie sehen, wie der geliebte Mensch sich quält und können nicht wirklich helfen. 

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FAQ

  • Woher kommt eine bipolare Störung?

    Die wahrscheinlichsten Auslöser der bipolaren Störung sind eine genetische Veranlagung der Betroffenen, sowie eine Störung im Gleichgewicht der Hirn-Botenstoffe wie zum Beispiel Noradrenalin und Dopamin. 

    Zur Entwicklung der Störung tragen aber auch biologische, soziale und psychische Faktoren bei, die ebenso das Verlaufsbild der bipolaren Störung beeinflussen. 

  • In welchem Alter tritt eine bipolare Störung auf?

    In der Regel treten bipolare Störungen im mittleren bis späten Jugendalter oder im frühen Erwachsenenalter (um das 18. Lebensjahr herum) auf. Vorher tritt diese Störung erfahrungsgemäß eher nicht in Erscheinung. 

    Bemerkt wird sie allerdings häufig viel später, meist um das 30. Lebensjahr herum. Darum können viele Diagnosen erst so spät erstellt und die Störung erst dann effektiv behandelt werden. 

  • Sind Menschen mit bipolarer Störung intelligenter?

    Einige Studien beschäftigen sich in der Tat mit der Verbindung von bipolarer Störung und Intelligenz. Manche dieser Studien zeigen einen gewissen Zusammenhang zwischen der Störung und einer erhöhten Intelligenz. Allerdings lässt sich das nicht unbedingt verallgemeinern.