Behandlung von Pruritus bei KIRINUS

Chronischer Pruritus und Prurigo: Wenn Jucken zur eigenständigen Erkrankung wird

Jucken (medizinisch: Pruritus) ist weit mehr als eine flüchtige Empfindung. Ein kurzzeitiger Reiz, etwa nach einem Insektenstich oder bei Kontakt mit Brennnesseln, ist eine sinnvolle Warnfunktion des Körpers. Er signalisiert: „Hier stimmt etwas nicht, entferne den Reiz!“

Wenn dieses Signal jedoch zum Dauerzustand wird und länger als sechs Wochen anhält, verliert es seinen physiologischen Nutzen. Es wird zur Qual. Etwa 15 % der Bevölkerung leiden unter chronischem Pruritus, wobei die Häufigkeit mit dem Alter deutlich zunimmt. Für Betroffene bedeutet dies oft einen massiven Verlust an Lebensqualität.

Auf dieser Seite erfahren Sie, warum chronischer Juckreiz oft ein komplexes, eigenständiges Krankheitsbild ist, was das „Juckreizgedächtnis“ damit zu tun hat und welche modernen Therapiewege es gibt.

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Therapien

Behandlungsansätze bei chronischem Pruritus

Die Behandlung richtet sich immer nach der Ursache (Kausaltherapie). Ist diese nicht behebbar oder unbekannt, setzt die symptomatische Therapie an, um den Leidensdruck zu senken.

Wenn ambulante Maßnahmen über Monate keinen Erfolg zeigen, kann ein stationärer Aufenthalt in einer Spezialklinik (Kompetenzzentrum) den Durchbruch bringen. Durch die Bündelung aller Therapien wird der Juck-Kratz-Kreislauf effektiv unterbrochen.

  • Basistherapie & Rückfettung

    Das Fundament jeder Behandlung. Spezielle Cremes stärken die Hautbarriere und „versiegeln“ die Nervenenden gegen Reize von außen.

  • Topische Medikamente

    Cortisonhaltige Salben (nur kurzzeitig bei Entzündungen) oder Cremes mit Calcineurininhibitoren.

  • Systemische Therapie (Tabletten/Spritzen):
    • Antihistaminika: Wirken oft nur bei Urtikaria (Nesselsucht), bei chronischem Pruritus sind sie häufig wirkungslos.
    • Gabapentinoide: Medikamente aus der Epilepsie-Therapie, die gezielt die Übererregbarkeit der Nerven dämpfen.
    • Biologika: Modernste Antikörper-Therapien (z.B. Dupilumab), die Entzündungsbotenstoffe im Körper gezielt blockieren.
  • Physikalische Therapie

    Individuell abgestimmte Phototherapie (UVB/UVA)  wirkt entzündungshemmend und juckreizstillend in der Haut.

  • Psychosomatik & Verhaltenstherapie:

    Techniken zum „Ent-lernen“ des Kratzverhaltens (Habit Reversal) und Stressbewältigung sind essenziell, um das Juckreizgedächtnis zu löschen.

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Symptome

Mehr als nur ein Kratzen

Chronischer Pruritus ist vielgestaltig. Patienten beschreiben die Empfindung oft nicht nur als klassisches Jucken, sondern als Brennen, Stechen, Prickeln oder wie ein „Ameisenlaufen“ unter der Haut.

Typische Begleiterscheinungen und Folgen sind:

  • Schlaflosigkeit: Da der Cortisolspiegel (unser körpereigener Entzündungshemmer) nachts sinkt und die Ablenkung des Tages fehlt, ist der Juckreiz nachts oft am stärksten. Dies führt zu chronischer Übermüdung und Erschöpfung.
  • Hautveränderungen: Durch das ständige Kratzen (oft unbewusst im Schlaf) entstehen Kratzspuren (Exkoriationen), Verdickungen der Haut (Lichenifikation) oder entzündete Knoten.
  • Psychische Belastung: Viele Betroffene ziehen sich sozial zurück – aus Scham über das Hautbild oder aus Angst vor einer Juckreiz-Attacke in der Öffentlichkeit. Ein Teufelskreis aus Stress und Jucken beginnt.

Das Juckreizgedächtnis: Warum die Haut nicht vergisst

Medizinisch besonders wichtig ist der Moment, an dem sich der Juckreiz von seiner ursprünglichen Ursache abkoppelt. Die Nervenfasern in der Haut (C-Fasern) senden dauerhaft Alarmsignale über das Rückenmark an das Gehirn. Dort entsteht der kaum steuerbare Drang zu kratzen. Bei langjährigem Verlauf kann sich – ähnlich wie beim chronischen Schmerz – ein „Juckreizgedächtnis“ im Nervensystem bilden. Selbst wenn die ursprüngliche Hauterkrankung abgeheilt ist, feuern die Nerven weiter („Phantom-Jucken“). Wir betrachten chronischen Pruritus daher oft als neuropathisches Geschehen, das gezielt durchbrochen werden muss.

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Ursachen & Formen

Ein interdisziplinäres Symptom

Die Ursachen für ständiges Jucken sind extrem vielfältig. Um die richtige Therapie zu finden, teilen Experten den Juckreiz oft nach dem Hautbild ein:

1. Pruritus auf primär kranker Haut (Dermatologische Ursachen)

Hier ist die Ursache auf der Haut sichtbar. Eine gestörte Hautbarriere oder Entzündungen reizen die Nervenenden.

  • Neurodermitis (Atopische Dermatitis): Die häufigste Ursache, oft schon im Kindesalter beginnend.
  • Schuppenflechte (Psoriasis): Neben den Schuppen leiden viele Patienten unter starkem Juckreiz.
  • Kontakallergien & Ekzeme.

2. Pruritus auf primär gesunder Haut (Innerliche Ursachen)

Hier sieht die Haut zunächst gesund aus, Kratzspuren entstehen erst sekundär. Die Haut fungiert hier als „Spiegel“ innerer Vorgänge:

  • Stoffwechselstörungen: Diabetes mellitus oder Schilddrüsenerkrankungen.
  • Organerkrankungen: Leber- oder Nierenprobleme (z.B. Urämischer Pruritus).
  • Eisenmangel: Auch ohne Anämie kann Eisenmangel Juckreiz auslösen.
  • Medikamente: Viele Arzneien (z.B. Opioide, bestimmte Blutdrucksenker oder Antibiotika) können als Nebenwirkung Jucken auslösen.

3. Neuropathischer Pruritus

Hier liegt das Problem direkt bei den Nervenfasern. Beispiele sind Juckreiz nach einer Gürtelrose (Zoster) oder durch Nervenkompressionen an der Wirbelsäule (Brachioradialer Pruritus).

4. Psychosomatischer Pruritus

Stress und psychische Konflikte können Juckreiz massiv verstärken. In seltenen Fällen ist die Psyche der alleinige Auslöser.

Sonderform: Prurigo nodularis (Juck-Knoten)

Eine besondere therapeutische Herausforderung ist die chronisch-noduläre Prurigo. Hierbei entstehen durch das ständige Kratzen harte, stark juckende Knoten auf der Haut. Es bildet sich ein verhängnisvoller Juck-Kratz-Teufelskreis:

  1. Extremer Juckreiz.
  2. Kratzen bis aufs Blut.
  3. Entzündung und Gewebeveränderung (Knotenbildung).
  4. Ausschüttung von Botenstoffen, die neuen Juckreiz auslösen.

Diese Form führt oft zu Narben und erfordert eine sehr spezialisierte, meist stationäre Therapie.

Altersjuckreiz (Pruritus senilis)

Mit dem Alter verliert die Haut die Fähigkeit, Feuchtigkeit zu speichern. Die Talgdrüsenproduktion nimmt ab, die Hautbarriere wird dünner und durchlässiger. Dieser „trockene Juckreiz“ betrifft sehr viele Menschen über 65. Oft kommt eine sogenannte Polymedikation (Einnahme vieler verschiedener Medikamente) hinzu, die das Symptom verstärkt. Altersjuckreiz ist keine Bagatelle, sondern erfordert eine konsequente medizinische Rückfettung und Anpassung der Medikamente.

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FAQ

  • Was kann meinen Juckreiz verstärken?

    Neben der eigentlichen Krankheit triggern oft äußere Reize den Juckreiz. Dazu gehören:

    • Trockene Haut: Tägliches Eincremen ist Pflicht.
    • Wärme & Kleidung: Überheizte Räume und Wollkleidung fördern den Juckreiz. Luftige Baumwolle und kühle Umgebungstemperaturen sind ideal.
    • Falsche Pflege: Zu langes, heißes Baden und aggressive Seifen entfetten die Haut. Nutzen Sie pH-hautneutrale Waschsyndets.
    • Ernährung: Alles, was die Hautdurchblutung anregt, kann Jucken auslösen. Dazu zählen Alkohol, scharfe Gewürze und sehr heiße Getränke.
  • Was tun bei Juckreiz nachts?

    Nächtlicher Juckreiz ist besonders belastend.

    • Kühlen: Halten Sie das Schlafzimmer kühl (max. 18°C).
    • Schutz: Tragen Sie leichte Baumwollhandschuhe, um unbewusste Verletzungen und blutiges Kratzen im Schlaf zu verhindern.
    • Vorbeugung: Das Eincremen mit einer juckreizstillenden Lotion (z.B. mit Polidocanol oder Gerbstoffen) vor dem Schlafen kann die Nerven beruhigen.
  • Strategien gegen das Kratzen

    Der Rat „Nicht kratzen“ funktioniert nicht, da Kratzen ein natürlicher Reflex ist. Wir trainieren stattdessen Ausweichmanöver:

    • Kratz-Alternativen: Massieren, kneifen oder beklopfen Sie die Hautstelle sanft, statt die Fingernägel zu benutzen.
    • Ablenkung: Nutzen Sie „Kratzklötzchen“, Knetbälle oder bearbeiten Sie das Sofakissen, um den Bewegungsdrang der Hände abzuleiten.
    • Kühlen: Nutzen Sie Coolpacks (in ein Tuch gewickelt) oder Umschläge mit kaltem Schwarztee.
  • Hilfreiche Dokumentation

    Um Auslöser zu finden, ist Ihre Mithilfe wichtig. Führen Sie ein Symptomtagebuch oder nutzen Sie Apps wie die „ItchyApp“. Notieren Sie, wann das Jucken auftritt (Skala 0–10) und was Sie davor gegessen oder getan haben. Diese lückenlose Dokumentation hilft unseren Experten in der KIRINUS PsoriSol Klinik enorm, individuelle Muster zu erkennen und den Therapieplan exakt auf Sie abzustimmen.